Ehrenamt macht auch glücklich

Potsdamer Ehrenamtspreis 2010 in der Kategorie:

Generationsübergreifende Projekte und Tätigkeiten

Laudatio von Michael Esser, SEKIZ e.V.

PreisverleihungWie oft habe ich schon, wenn das Gespräch auf bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten kommt, den bewundernden und zugleich abwehrenden Satz gehört: „Also, ich könnte das nicht!“ Manchmal hat es den Anschein, als könnten die Lasten eines solchen Engagements nur von besonders stabilen oder gar besonders leidensfähigen Menschen gebuckelt werden.

Nun, die Menschen, die heute Abend mit dem Ehrenamtspreis 2010 in der Kategorie „Generationsübergreifende Projekte und Tätigkeiten“ ausgezeichnet werden, sind ganz normale Menschen, fast so wie Sie oder ich. Es sind Menschen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern, Menschen wie Bärbel Thiele. Frau Thiele ist in der Nachbarschaftshilfe tätig, sie betreut die alte Dame nebenan, den behinderten Herrn im dritten Stock. Sie hilft, wo Hilfe nötig ist; sie organisiert Pflege, wo sie gebraucht wird. Sie weiß, wo welche Anträge zu stellen sind, und sie begleitet, wenn’s denn nötig ist, die Betroffenen bis in die Amtsstube hinein und übersetzt auch mal das Behördendeutsch ins Allgemeinverständliche. Und weil Frau Thiele sich so gut auskennt, organisiert sie auch noch Fortbildungen für andere ehrenamtliche Pflegebegleiter. Das macht sie tagaus tagein rund 20 Stunden in der Woche seit mehr als fünf Jahren, seit sie das Projekt „Pflegebegleiterinitiative in Potsdam“ anstieß.

Sich so wie Frau Thiele um andere zu kümmern, ist sicherlich anstrengend, aber es ist ohne Zweifel auch etwas Lohnendes; erst recht, wenn daraus ein so erfolgreiches Projekt entsteht.

Dies gilt ebenso für drei weitere ehrenamtlich engagierte Frauen, die es hier und heute zu ehren gilt: Christa Dorgerloh, Kerstin Klimczok und Astrid Zunk leiten das Patientencafé auf der Palliativstation im Klinikum „Ernst von Bergmann“. Das heißt, sie begleiten Menschen auf den letzten Schritten in ihrem Leben. Sie hören ihnen zu, sie teilen Ängste und Freuden mit ihnen und sie schenken ihnen ein paar harmonische Stunden der Zuwendung: Sie laden ihre Patienten zur Kaffeetafel mit hübsch gedecktem Tisch, essen mit ihnen Kuchen und trinken mit ihnen Kaffee. Sie tun etwas ganz enormes und dabei ganz selbstverständliches: Sie lindern den Schrecken vor dem Tod, indem sie die Einsamkeit auflösen. Dazu gehört auch, dass sie die Eltern, Kinder, die Partner der Sterbenden mit einbeziehen und auch ihnen zur Seite stehen.

Wie Frau Thiele schaffen Frau Dorgerloh, Frau Klimczok und Frau Zink durch ihr Engagement menschliche Nähe, sie vermitteln ein Gefühl der Gemeinschaftlichkeit. Und durch einen Händedruck, ein „Danke schön“, eine Umarmung oder einen lieben Brief erfahren sie selber in ihrem Tätigsein Nähe, Zuwendung, Gemeinsamkeit. Kurz: Ehrenamt macht auch glücklich.

Denken Sie mal daran, wenn Ihnen das nächste Mal der Satz: „Also, das könnte ich nicht!“
auf der Zunge liegt …

Frau Thiele, Frau Dorgerloh, Frau Klimczok und Frau Zunk jedenfalls können! Herzlichen Glückwunsch.