„Frag nicht, was der Staat für Dich tut – frag Dich, was Du für das Gemeinwesen tun willst!“

In der festlichen Atmosphäre der Friedenskirche am Park Sanssouci wurde am 22. August der Potsdamer Ehrenamtspreis 2013 vergeben. Insgesamt wurden 15 Preise in sieben Kategorien und einem Sonderpreis vergeben. Wir gratulieren allen Preisträgern, allen Nominierten und danken allen, die sich ehrenamtlich in Potsdam für andere engagieren.

Ansprache von Oberbürgermeister Jann Jakobs zur Eröffnung der Festveranstaltung zum Potsdamer Ehrenamtspreis 2013

Sehr geehrte Festgemeinde,
sehr geehrte Engagierte der ganzen Stadt!

Heute würdigen wir – die Landeshauptstadt, ProPotsdam und der Verein Soziale Stadt – zum siebten Mal Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich betätigen und für Potsdam auf vielfältige Weise engagieren.

Alles begann am Schlaatz, und den ersten Aufschlag verdanken wir dem Verein Soziale Stadt mit dem unvergesslichen Friedrich Reinsch, dem Leiter des Hauses der Generationen und Kulturen an der Spitze. Heute trägt das Haus zurecht seinen Namen. Seinerzeit erreichten uns mehr als 30 Vorschläge, heute sind es über 110 „gute Taten“, die zu würdigen wir gebeten werden.

Dabei ist mir bewusst, wie viele Potsdamerinnen und Potsdamer mir stets zu verstehen geben, die Stadt solle kein Aufhebens um ihr Engagement machen, das sei doch eigentlich ein selbstverständliches Tun. Ich weiß es wohl; Unzählige handeln nach dem bemerkenswerten Satz des ermordeten amerikanischen Präsidenten Kennedy, der in seiner Antrittsrede für Generationen den Gedanken prägte: „Frag nicht, was der Staat für Dich tut – frag Dich, was Du für das Gemeinwesen tun willst!“
Doch müssen wir politisch Verantwortliche an dieser Stelle aufpassen.

Ich freue mich, dass heute Abend Bundes- und Landtagsabgeordnete, Stadtverordnete und Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung zugegen sind. Und ich wende mich an Sie, dass wir gemeinsam Acht geben, das Ehrenamt und den Idealismus der helfenden Hände nicht zu missbrauchen. Sie dürfen nicht dafür herhalten, dass dort, wo professionelle Hilfe und Dienste benötigt werden, aus Kostengründen plötzlich das Ehrenamt fröhliche Urstände feiert. Erlauben Sie mir die Zuspitzung: Die Engpässe um den Bahnhof in Mainz könnten nicht von Freiwilligen behoben werden! Es steht unserer Gesellschaft nicht gut zu Gesicht, Arbeitsplätze erst zu rasieren, um wenig später Ehrenamt zu fördern. Mehr Investitionen in dauerhaft auskömmliche Arbeitsplätze sollte der Trend der nächsten Jahre sein. Wenn sich darüber hinaus Bürgerinnen und Bürger freiwillig engagieren, dann darf es uns jede Art öffentliche Würdigung wert sein.

Ich glaube in Ihrem Namen mitzusprechen, wenn ich dem scheidenden Ministerpräsidenten und seiner Staatskanzlei ausdrücklich dafür danke, dass sie es möglich machen, Partner aus Kultur und Wirtschaft, Tourismus und Freizeit, Handel, Banken und Gewerbe an Bord zu holen und dem mehrjährigen Ehrenamt auch eine kleine materielle Anerkennung zu verschaffen. Die neue Ehrenamtskarte des Landes hat Potenzial und ich danke den Kammern und Potsdamer Geschäften und Kulturinstitutionen für Ihre aufgeschlossene Kooperation mit Stadt und Land. In diesem Zusammenhang werde ich häufiger gefragt, warum Ehrenamtliche in Potsdam keine Freikarte der Verkehrsbetriebe erhalten? Unsere Stadtverordneten haben etwas möglich gemacht: Diejenigen, deren Rente, deren Einkommen zu niedrig ist, erhalten über die Ehrenamtsträger und Agenturen eine monatliche Aufwandserstattung. Das deckt die Fahrtkosten ab. Eine generelle Freifahrkarte für alle Engagierten wäre unbezahlbar, denn die Stadt ist mit freiwilligen Tätigkeiten gesegnet. Gäbe es einen Titel „Hauptstadt des Ehrenamtes“, ich bin sicher, Potsdam landete weit vorne.

Sieben Kategorien haben darum die Auslober für Preise und Nominierungen angeboten: In diesem Jahr NEU
„den Ehrenamtspreis für kulturelle Momente“
„den Ehrenamtspreis in Natur und Wissenschaft“
und in Partnerschaft mit Energie und Wasser Potsdam GmbH
„den Ehrenamtspreis an die Jugend der Stadt“.

Die letzte Preiskategorie freut mich als früherer Jugendamtsleiter und Dezernent ganz besonders, das werden Sie verstehen.
Unverändert geblieben sind die Kategorien
„Ehrenamtspreis zur Förderung des sozialen Zusammenhalts“
„Ehrenamtspreis für Generationen verbindende Arbeiten“
„Ehrenamtspreis für langjähriges Engagement“

und im letzten Jahr aufgenommen
„den Ehrenamtspreis für sportliche Engagements“.

Die Jury – an ihrer Spitze Frau Müller und Herr Westphal, Frau Kleemann und Herr Beermann, Frau Juhasz und Herr Ehl, Frau Röder und Herr Puschmann – haben ganze Arbeit geleistete, unter den 112 Vorgeschlagenen die Preisträger und Preisträgerinnen des Jahres 2013 auszuwählen. Es ist ihnen gelungen. Seien Sie gespannt und bitte mit der Jury gnädig: Alle haben Anerkennung, Wertschätzung und Würdigung verdient, deshalb werden alle genannt; doch die Zeit reicht nicht, um für jeden von Ihnen eine persönliche Laudatio vorzunehmen.

Auslober und Hauptpartner sind sich aber mit Ihnen einig: Ehrenamt in Potsdam gehört zu den wertvollsten Gütern in der ganzen Stadt. Es ist im doppelten Sinne des Wortes: unbezahlbar. Wenn künftige Generationen eines Tages auf uns zurückblicken, mögen sie kritisch urteilen, was wir alles nicht geschafft haben. In Einem bin ich mir sicher: Ehrenamtliche gehören auf die Potsdamer Habenseite. Sie sind die vielfach ungenannten Helden unserer Zeit. Lassen sie uns heute für zwei Stunden wenigstens 112 von ihnen nennen.

Ich danke Ihnen!