Preisträger: Ehrenamtler der „Schatztruhe“ der AWO

Potsdamer Ehrenamtspreis 2017 in der Kategorie:

Ehrenamtspreis für die Entwicklung der Quartiere

Laudatio von Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der ProPotsdam GmbH

Die Ehrenamtler der „Schatztruhe“ erhalten den Ehrenamtspreis für die Entwicklung der Quartiere. Foto: Stefan Gloede

Bevor ich Ihnen unseren nächsten Preisträger oder Preisträgerin näher vorstelle, möchte ich mit Ihnen einen kleinen, theoretischen Ausflug machen. Haben Sie sich schon mal gefragt, was eigentlich hinter dem Begriff „Quartier“ steckt? Ist ein Quartier eher räumlich zu verstehen, gibt es klare Abgrenzungen oder ist es geprägt durch die Bewohner und das Wohnumfeld? Oder ist es sogar eher ein gefühlter, emotionaler Zusammenhang, ohne klar definierte Grenzen, welcher ein Quartier beschreibt?

In der Wohnungswirtschaft benutzen wir den Begriff Quartier häufig in Bezug auf den eigenen Bestand und definieren damit einen sichtbaren planerischen oder städtebaulichen Zusammenhang. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es nicht so einfach, eine klare Definition zu finden. Im Amerikanischen bekommt der Begriff dann schon eher eine Emotionalität – denn hier wird das Quartier als „Neighborhood“ also Nachbarschaft verstanden. Und genau diese Emotionalität ist es, die eigentlich in unserem Verständnis das ausmacht, was Wohnen und Lebensqualität verbindet. Nachbarschaft ist auf mehreren Ebenen von enormer Bedeutung – im Alltag eines jeden Einzelnen, der vielleicht auf nachbarschaftliche Unterstützung angewiesen ist oder gute Nachbarschaft als Bereicherung und als Wohlfühlfaktor versteht. Stabile Nachbarschaften sind auch für uns als Wohnungsunternehmen besonders wichtig, denn wir wollen, dass sich die Menschen in unseren Wohnungen und ihrem Wohnumfeld wohl fühlen.

Und damit das auch gelingt, benötigt es für manche Quartiere nicht nur eine theoretische Vision, sondern engagierte Menschen, die daran interessiert sind, ihre Umgebung zu verbessern und ihren Nachbarn zu helfen. Nur so kann sich ein Quartier lebendig und attraktiv entwickeln.
Im Stadtteil Schlaatz engagieren sich viele ehrenamtlich Tätige in unterschiedlichen Funktionen und vielen Initiativen, um die Entwicklung dieses Quartiers voranzubringen. Im vergangenen Jahr ist es gelungen, ein neues Angebot zu schaffen, dass sich mittlerweile als wirkliche Bereicherung gezeigt hat und im wahrsten Sinne des Wortes ein „Schatz“ für viele bedürftige Menschen und Geflüchtete geworden ist.

Ob Kleidung, hauswirtschaftliche Alltagsgegenstände oder Spielzeug – die Regale sind gut gefüllt, der Bedarf ist da. Bedürftige Menschen werden hier unterstützt, sie erhalten eine Grundausstattung bestehend aus Hose, Jacke, T-Shirt und Schuhen gratis. Aber es darf auch getauscht und gespendet werden. Die Bereitschaft zum Spenden ist enorm groß – ohne die ehrenamtliche Arbeit der Engagierten und heutigen Preisträger wäre die Bereitstellung der Angebote nicht möglich. Sie nehmen die Spenden nicht nur entgegen, sondern prüfen sie, waschen, trocknen und reparieren sie und legen sie feinsäuberlich in die Regale. Zu diesen Ehrenamtlern gehören insbesondere auch neu angekommene Geflüchtete, die sich im Rahmen einer Willkommenskultur engagieren und einbringen möchten.

Gelebte Integration im Schlaatz, Unterstützung und Hilfestellung für bedürftige, geflüchtete sowie obdachlose Menschen. Dieser Einsatz und dieses Engagement sind es, die Nachbarschaften stärken und das Quartier zu einem attraktiven Wohnumfeld machen. Das Angebot der AWO-Schatztruhe im Erlenhof ist aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken. Immer dienstags, mittwochs und donnerstags stehen die Ehrenamtler im Tauschladen bereit, sind Ansprechpartner und Kundenberater zugleich. 26 Potsdamerinnen und Potsdamer engagieren sich. Unbürokratisch und kostenlos versorgen sie Bedürftige mit dem Wichtigsten.

Ich möchte mich im Namen der Jury ganz herzlich für Ihr Engagement bedanken. Mit Ihrem Angebot in der Schatztruhe sorgen Sie dafür, dass Hilfe, materielle Alltagsgegenstände und Notwendigkeiten dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Es ist mir eine Freude und eine Ehre Ihnen heute Abend die Anerkennung der Jury für das ehrenamtliche Engagement für die Entwicklung der Quartiere aussprechen zu dürfen.
Ich hoffe, das ehrenamtliche Team der AWO-Schatztruhe ist zahlreich vertreten. Bitte kommen Sie zu mir nach vorn, um den Ehrenamtspreis entgegen zu nehmen.