Ruhe und Kraft für Sterbenskranke

Cindy Schönknecht (r.) und OB Mike Schubert (Mi.) ehren die Aktiven
des Hospiz– und Palliativberatungsdienstes Potsdam. Foto: Stefan Gloede

Der Ehrenamtspreis für langjähriges Engagement ging in diesem Jahr gleich an fünf Aktive. Gerda Weise, Wolfgang Hildebrandt, Jörg Hauer, Marion Grosse und Cathrin Geisler sind ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beim Hospiz– und Palliativberatungsdienstes Potsdam.

Gerda Weise ist bereits seit 16 Jahren, Marion Grosse, Cathrin Geisler und Jörg Hauer seit mehr als zehn Jahren und Wolfgang Hildebrandt seit acht Jahren für den Ambulanten Hospizdienst tätig. Alle Fünf begleiten sterbende Menschen und ihre Angehörigen sehr intensiv. Sie sind darüber hinaus bereit, den Hospizdienst auch an Infoständen zu vertreten und mit interessierten Menschen über die Themen Sterben, Tod und Trauer ins Gespräch zu kommen. Marion Grosse und Cathrin Geisler haben zusätzlich Trauernde in der Trauergruppe für junge verwitwete Menschen begleitet. Wolfgang Hildebrandt begleitet einmal pro Woche Gäste des stationären Hospizes in Hermannswerder.

Die Laudatio hielt Cindy Schönknecht vom Arbeiter-Samariter-Bund Brandenburg. Wir dokumentieren an dieser Stelle ihre Rede.

„Als ich vor kurzem angerufen und gefragt wurde, ob ich eine Laudatio für den diesjährigen Ehrenamtspreis halten möchte, war ich zunächst etwas perplex. Ich stand gerade leicht nervenstrapaziert mit meiner siebenjährigen Tochter im Spielzeugladen – zwischen Glibberleuchtknete, Bügelperlen und Hörbüchern von Bibi und Tina, um Geschenke für ihre Geburtstagswunschbox auszusuchen. Eigentlich wollten wir uns dafür viel Zeit nehmen. Jetzt waren wir aber trotzdem wieder spät dran und hatten nur noch wenig Zeit, um lange und ausgiebig zwischen all den tollen Spielsachen zu stöbern. Ganze 15 Minuten blieben uns noch bis zum Ladenschluss. Die Zeit und ich waren an diesem Tag keine besten Freunde.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote? Weil die Zeit etwas sehr Kostbares, wenn nicht sogar das Kostbarste neben der eigenen Gesundheit ist. Wirklich Zeit zu haben, sie sich bewusst zu nehmen – für die vielen schönen und kleinen Dinge im Leben, sie seinen Liebsten zu schenken ist etwas Besonderes und sehr Wertvolles.

Nur vergessen wir viel zu oft, dass auch unsere eigene Zeit begrenzt ist und wir jeden Tag genießen sollten. Meine kleine Anekdote ist – wie heißt es doch so schön – ein Luxusproblem. Es ist nicht ansatzweise vergleichbar, mit den Zeit-Gedanken, die die Menschen mit sich ausmachen müssen, die aufgrund einer langen, schweren oder unheilbaren Krankheit nur noch eine kurze Lebenszeit haben.

Und dann gibt es diejenigen unter uns, die an der Seite dieser sterbenskranken Menschen und ihren Angehörigen stehen – für sie da sind und sie begleiten. Familienangehörige, Freunde oder Bekannte haben oftmals keine Kraft mehr, sind überfordert oder sagen sich los, weil es für sie zu schmerzvoll ist, ihre Liebsten leiden und sterben zu sehen. Sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos.

Und genau in dieser hilflosen Zeit gibt es eben diejenigen unter uns, die einspringen, die sich um sterbenskranke Menschen, aber eben auch um deren Angehörige kümmern. Sie geben Ruhe und Kraft, schenken Freude und glückliche Momente. Sie können aushalten, aktiv zuhören, beraten und begleiten – bei ihnen können Sterbende, Angehörige und Trauernde einfach das Herz ausschütten. Sie schaffen es aber auch, durch ihre persönliche Art den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie schenken ihre freie Zeit – ob beim gemeinsamen Blumenpflanzen oder Spaziergehen, beim Verweilen im Biergarten oder Besuch von Konzerten.

Es sind die großen, aber eben auch die kleinen Momente im Leben, so wie der Besuch mit meiner Tochter im Spielzeugladen, die wir mehr schätzen und viel bewusster erleben sollten. Sie sind es, die am Ende wichtig sind.

Sie, liebe zu Ehrende haben diese Lebenseinstellung längst verinnerlicht. Seit vielen Jahren schenken sie ihre Lebens-Zeit den Menschen, die sich am Ende ihrer Lebens-Zeit befinden. Sind mitunter väterlicher Freund, väterlicher Ratgeber, Ersatzmama oder beste Freundin.

Sterbenskranken Menschen ist bewusst, dass sie nur noch ein paar Tage, einige Wochen, in Ausnahmefällen vielleicht sogar Monate ihres Lebens haben. Diese letzte Zeit möchten sie so intensiv wie möglich genießen.

Sie, liebe zu Ehrende, helfen ihnen dabei und stellen dafür ihre privaten Anliegen zurück. Ihr Engagement endet nicht mit Tod. Für die Hinterbliebenen sind sie in der Zeit danach eine verlässliche Stütze. Was Sie dafür zurückbekommen ist ebenso wertvoll: eine tiefe und ehrliche Dankbarkeit.

Ihre Arbeit, liebe zu Ehrende, gehört zu einer der sensibelsten und anspruchsvollsten Aufgaben für die Menschen und letztendlich auch für die Gesellschaft: Sie holen das Thema Sterben zurück ins Leben.“

Gemeinsame Auslober des Ehrenamtspreises sind die Landeshauptstadt Potsdam, die ProPotsdam GmbH und der Verein Soziale Stadt Potsdam. Hauptpartner war zum siebenten Mal die Energie und Wasser Potsdam GmbH, die den Sonderpreis in der Kategorie „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ gestiftet hatte.