Anerkennung für Mahnen und Mut machen

Die Anerkennung für ehrenamtliches Engagement nahmen Nadine Seel (2.v.r.) und stellvertretend für Christian Rasch ein Mitstreiter (2.v.l.) von Jurymitglied Karin Juhàsz und OB Mike Schubert entgegen. Foto: Stefan Gloede

Beim 13. Potsdamer Ehrenamtspreis würdigte die Jury langjähriges Engagement mit zwei weiteren Anerkennungen. Sie wurden an Christian Raschke für die langjährige Erinnerungs- und Gedenkarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus und an Nadine Seel, die im Jahre 2005 die Selbsthilfegruppe „Menschen mit Ängsten“ gegründet hat, vergeben.

Die Laudatio sprach Jurymitglied Karin Juhàsz, Mitarbeiterin der Landeshauptstadt Potsdam. Wir dokumentieren an dieser Stelle ihre Rede.

„Unser ganzes Leben besteht aus gesellschaftlichem Sein.

Selten sind wir allein, uns begleiten zum Glück Menschen, wie die Familie, Freunde, Kollegen, Bekannte, Kameraden. Mit allen verbindet uns irgendwie ein Band unterschiedlicher Stärke, mal mehr, mal weniger stark. Aber es erinnert uns daran, dass da Menschen sind, auf die wir uns verlassen können, die uns zur Seite stehen, wenn es die Zeit oder das Leben mal nicht so gut mit uns meinen, die erinnern und die helfen, wenn es notwendig ist.

Da sind Ereignisse, die schon mehr als ein Dreivierteljahrhundert zurückliegen, ein verheerender Weltkrieg, der 60 Millionen Menschen das Leben kostete, Millionen verloren ihre Heimat. Und nach dem Sieg der Alliierten wurde Europa politisch neu aufgeteilt. Aber da waren auch Menschen in Deutschland, die schon vor Kriegsbeginn gegen die absehbare schreckliche Entwicklung kämpften, die alles auf eine Karte setzen, auch mit dem Wissen, das eigene Leben dabei zu riskieren. Das alles ist teilweise schon mehr als 75 Jahre her. Es gilt, den Mut, die Weitsicht und die Tapferkeit dieser Menschen vor dem Vergessen zu bewahren und ihnen ein ehrendes Andenken zu setzen, in der Jetztzeit und für immer.

Und jetzt bringt uns ein großer Schritt ins Heute und Hier zu einem Menschen, der den Menschen zur Seite steht, denen dieses Heute und Hier mit allen seinen alltäglichen, teilweise hektischen, komplizierten Herausforderungen zu schaffen, manchmal sogar Angst macht. Wie belastend manchmal ein vermeintlich ganz normaler Alltag sein kann, gestehen wir uns ja meistens nicht ein. Frei nach dem Motto ‚Augen zu und durch‘ machen wir immer weiter – bis zum Limit. Und dann? Ist es gut, wenn es diese Kategorie ‚menschlicher Fels in der Brandung‘ gibt, der einfach da ist, der auffängt, sich kümmert und Sicherheit gibt, wenn nötig auch über Jahre.

Die Jury ehrt das zutiefst menschliche langjährige Engagement von Menschen, die sich ganz unterschiedlichen Aufgaben stellen:

Christian Raschke von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Ortsverband Potsdam für seine jahrelange wichtige Erinnerungsarbeit sowie Nadine Seel, Leiterin der Selbsthilfegruppe für ‚Menschen mit Ängsten‘, die seit Jahren kontinuierlich für die Betroffenen als zuverlässige Ansprechpartnerin zur Verfügung steht.“

Gemeinsame Auslober des Ehrenamtspreises sind die Landeshauptstadt Potsdam, die ProPotsdam GmbH und der Verein Soziale Stadt Potsdam. Hauptpartner war zum siebenten Mal die Energie und Wasser Potsdam GmbH, die den Sonderpreis in der Kategorie „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ gestiftet hatte.