Anerkennung für Bewahren und Bereichern

Jörg Näthe (2.v.l.) engagiert sich seit vielen Jahren für die Freundschaftsinsel, die Einsatz- und Rettungstaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft reinigen regelmäßig die Alte Fahrt. Genug Gründe für eine Anerkennung von Karin Juhàsz (r.) und OB Mike Schubert (l.). Foto: Stefan Gloede

Die Einsatz- und Rettungstaucher der DLRG Ortsgruppe Potsdam machen mit ihrer regelmäßigen Unter-Wasser-Reinigung der Alten Fahrt das jährliche Inselschwimmen möglich. Jörg Näthe setzt sich seit langen Jahren für das Gartendenkmal Freundschaftsinsel und das kulturelle Erbe von Karl Foerster ein. Beim 13. Potsdamer Ehrenamtspreis wurden sie mit Anerkennungen für den Schutz und Erhalt von Natur und Umwelt geehrt.

Die Laudatio sprach Jurymitglied Karin Juhàsz, Mitarbeiterin der Landeshauptstadt Potsdam. Wir dokumentieren an dieser Stelle ihre Rede.

„‚Der Stadt ihr Bestes‘ – ein lobenswerter Slogan, ein Anspruch zu allen Zeiten in unterschiedlichen politischen Systemen formuliert, als Hinweis, als Mahnung, als Warnung? Aber wie das so im Leben ist, man hat es gehört, zur Kenntnis genommen und gehofft, dass sich darum die anderen schon kümmern werden. Mal ehrlich, erkennt sich darin nicht irgendwie jeder selbst? Doch aktuell bekommt man ja vorgeführt, dass gerade die junge Generation diese ‚mir egal, sollen mal die anderen machen‘-Haltung zum Glück nicht vertritt. Sehr authentisch drängt sie auf einen nachhaltigen Positionswechsel zum Umwelt- und Klimaschutz und nicht nur da.

Aber zurück zu Potsdam. Potsdam ist schön. Die Landschaft, in die sich die Stadt bettet, ist schön. Die Gewässer, die die Stadt umgeben, sind schön.

Aber leider wird diese einzigartige landschaftliche Schönheit immer wieder als allzeit zu gebrauchende Selbstverständlichkeit betrachtet. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob es kein Morgen gäbe. Da wird acht- und gewissenlos mit den vorhandenen Ressourcen umgegangen. Die Natur, ein Fluss, die dazugehörige Insel, ein Gartendenkmal – Bestandteil des Weltkulturerbes – werden fast täglich zu überdimensionierten Mülleimern „umfunktioniert“ – ohne jegliches schlechtes Gewissen.

Aber zum Glück gibt es dann da wieder Menschen, die aufräumen. Nicht nur einmal, immer wieder, weil sie das nicht aushalten, den Müll, den Vandalismus, die herzlose Achtlosigkeit.

Was jedes Jahr aus der Alten Fahrt geholt wird, übersteigt das Vorstellungsvermögen, verrostete Fahrräder und Einkaufswagen, Baustellenabsicherungen, Straßenschilder, zerschlagenes Glas holen Freizeittaucher*innen teilweise unter gefährlichen Bedingungen aus dem Wasser. Sie beseitigen das Gefahrenpotenzial und sorgen dafür, dass unter anderem die Fließgeschwindigkeit des Flussarms nicht zum Stillstand kommt und verhindern damit auch dessen „Umfunktionierung“ in eine öffentliche Kloake.

Die bereits angesprochene Freundschaftsinsel ist die wunderbare grüne Oase mitten in der Havel, seit Jahrzehnten das Naherholungsgebiet der Potsdamer Bewohnerschaft und ihrer Gäste schlechthin. Sie ist in ihrer Beliebtheit unschlagbar, und das sieht man ihr auch an. Seit vielen Jahren bemüht man sich, die nächtlichen Spuren dieser Beliebtheit einschließlich Vandalismusschäden jeden Morgen zu beseitigen.

Und es gab Zeiten, da stand es fast auf der Kippe. Hätte es damals nicht jemanden gegeben, der sich nicht damit abfinden wollte, dass die Insel irgendwann mal ein mehr oder weniger üppiges Grasland geworden wäre, dann hätte Potsdam ein Kleinod weniger. Mit der kontinuierlichen Pflege erfolgt gleichzeitig die Bewahrung der ganz besonderen Natur.

Die vielen, seit Jahrzehnten beheimateten Kunstobjekte tragen ebenso zum ganz speziellen Kulturleben der Insel bei, wie diverse Ausstellungen. Kultstatus hat die legendäre Veranstaltung, das jährliche Asia-Fest. Es ist fester Bestandteil im städtischen Veranstaltungskalender. Und die Insel, eingetaucht in das Licht hunderter Kerzen und Lampions, durchweht von fernöstlicher Musik und durchwandelt von bunten Kimonos – wer das erlebt hat, weiß nicht nur den Ort zu schätzen, sondern auch die Menschen, die das organisieren. Einer arbeitet schon seit mehr als vier Jahrzehnten für die und auf der Insel und davon 16 Jahre als Vereinsgründer und -vorsitzender. Er ist nicht nur der Bewahrer, er ist auch der Anwalt der Insel.

Die Jury ehrt mit einer Anerkennung die Einsatz- und Rettungstaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ortsgruppe Potsdam e. V. für ihre alljährlichen Putzaktionen in der Alten Fahrt unter Wasser und Jörg Näthe für sein jahrzehntelanges Engagement für die Freundschaftsinsel.“

Gemeinsame Auslober des Ehrenamtspreises sind die Landeshauptstadt Potsdam, die ProPotsdam GmbH und der Verein Soziale Stadt Potsdam. Hauptpartner war zum siebenten Mal die Energie und Wasser Potsdam GmbH, die den Sonderpreis in der Kategorie „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ gestiftet hatte.