Anerkennung für Überleben im Wasser und Leben in vielen Kulturen

Nach der Schwimmausbildung der DLRG Ortsgruppe sollen sich Kinder wie Fische im Wasser fühlen, auf andere Kulturen übertragen gilt das auch für die Arbeit von MaMis en Movimiento. Foto: Stefan Gloede

Bei der Kinderschwimmausbildung der DLRG Ortsgruppe Potsdam lernen unzählige Linder aus der Landeshauptstadt das Schwimmen. Der Verein MaMis en Movimiento Potsdam für die Unterstützung bilingualer Familien mit einem spanischsprechenden Elternteil beim Integrationsprozess in Potsdam. Beim 13. Potsdamer Ehrenamtspreis wurden sie dafür in der Kategorie „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ mit Anerkennungen bedacht.

Die Laudatio sprach Jurymitglied Karin Juhàsz, Mitarbeiterin der Landeshauptstadt Potsdam. Wir dokumentieren an dieser Stelle ihre Rede.

„Deutschland, Kinder, Urlaub, das ist eine Formel, die zur aktuellen Jahreszeit passt „wie die Faust aufs Auge“, oder doch nicht? Um beim drastischen Bild zu bleiben, ein Treffer ins Schwarze? Wohl kaum! Was die Urlaubsziele betrifft sicher, immer weiter weg, immer exotischer, höchste Maßstäbe werden angesetzt, leider nur für einen Teil der Kinder, schätzungsweise vielleicht für 50 Prozent …

Was aber auf alle Kinder zutrifft: Sommerzeit ist Badezeit. Nach neuesten Erhebungen können mehr als 60 Prozent aller Grundschüler*innen nicht richtig oder gar nicht schwimmen. Davon sind die urlaubsreisenden Kinder genauso betroffen, wie diejenigen, die nur auf „Balkonien“ oder am Baggersee ‚urlauben‘. Eine verheerende Tatsache und noch dazu eine mit ganz viel Angstpotenzial. Deutschland, wie viel wert sind Dir Deine Kinder, Deine Zukunft? Warum sorgst Du nicht dafür, dass diese frühzeitig die einfache Form des Überlebens lernen?

Wie gut, dass es Menschen gibt, die mehrfach in der Woche den Kindern diese Form des Überlebens, das Schwimmen beibringen! Die dafür Sorge tragen, dass die Zahl der Ertrinkungsopfer nicht exorbitant ansteigt, denn jedes Kind ist eines zu viel!

Deutschland, Migration, Integration gleich Heimat? Wenn es so einfach wäre … Was ist überhaupt Heimat? Ich will keine klischeehaften Bilder, aber wie geht es dann? Jeder versteht etwas anderes darunter. Bei Herbert Grönemeyer habe ich für mich eine gute Erklärung gefunden: ‚Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.‘ Was für eine gute Feststellung das ist, habe ich selbst vor Jahren im Ausland selbst erlebt. Heimat war auf einmal die Sprache, ich habe mich heimisch gefühlt, wenn ich meine Sprache, meine Muttersprache hörte und noch viel besser war es, konnte ich sie sprechen.

Wie viel wert ist es, wenn Menschen und ihre Kinder ein Stück ihrer Ursprungsheimat an den neuen Ort mitnehmen können? Wenn sie am neuen Ort auch ihre Sprache sprechen können? Sehr wichtig ist das, denn diese Tatsache unterstützt nachhaltig den Integrationsprozess. Der Mensch, egal ob Kind oder Erwachsener – wenn er bilingual aufwächst und lebt, behält er sein Fundament. Und die Kinder lernen so auf spielerische Art, dass es viele Kulturen, Sprachen und Bräuche gibt. Sie werden früh an Toleranz und Respekt zum Anderssein herangeführt. Was für ein eindrucksvolles Projekt.

Die Jury ehrt mit je einer Anerkennung die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ortsgruppe Potsdam e. V. Kinderschwimmausbildung für ihre jahrelangen und lebensrettenden Angebote für Kinder und Eltern und die MaMis en Movimiento e.V. Potsdam für ihr ganz besonderes, weitsichtiges Angebot für eine gelingende integration.“

Gemeinsame Auslober des Ehrenamtspreises sind die Landeshauptstadt Potsdam, die ProPotsdam GmbH und der Verein Soziale Stadt Potsdam. Hauptpartner war zum siebenten Mal die Energie und Wasser Potsdam GmbH, die den Sonderpreis in der Kategorie „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ gestiftet hatte.