Zukunft von Kultür Potsdam und KultürTandem (wieder) unsicher

Ende 2019 laufen die städtischen Förderungen für die beiden preisdotierten Potsdamer Initiativen Kultür Potsdam und KultürTandem aus. Der Trägerverein Neue Kulturwege e.V. bangt um die Zukunft seiner beiden Projekte. Trotz des stetig wachsenden Bedarfes habe es sich seit der Gründung im Jahr 2013 als schwierig erwiesen, eine nachhaltige und vor allem kostendeckende Finanzierung zu sichern. Die in den nächsten Jahren anfallenden Kosten konnten trotz des engagierten Rückhalts von Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sowie vieler anderer politischer Fürsprecher bisher weder im Haushaltsentwurf 2020/21 noch für eine andere Förderung eingebunden werden. Im Falle eines positiven Ausgangs der Haushaltsverhandlungen müsse außerdem zusätzlich die Zeit bis zum tatsächlichen Beschluss im Juni 2020 finanziell überbrückt werden, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.

Seit Juli 2018 erhielt Kultür Potsdam, nach einem haushaltsbegleitenden Beschluss im März desselben Jahres, insgesamt 43.000 Euro als Anschubfinanzierung aus dem Doppelhaushalt 2018/19. KultürTandem wurde seit Februar 2018 mit insgesamt 23.000 Euro aus dem Integrationsbudget gefördert. Die Gelder wurden demnach zum größten Teil für eine Teilzeitstelle für die Büroorganisation von Kultür Potsdam sowie eine Honorarstelle für die Projektleitung von KultürTandem verwendet.

Im Februar dieses Jahres habe der Verein eine zweite Teilzeitstelle mit seinen letzten Eigenmitteln eingerichtet, um dem stetig wachsenden Arbeitsaufwand und der finanziellen Verantwortung gerecht werden zu können. „Ohne eine weitere Arbeitsstelle ging es einfach nicht mehr“, sagt Eva-Maria Heß, Geschäftsführerin. „Die Aufgaben sind dem ehrenamtlichen Engagement entwachsen. Das heißt aber auch, dass wir keine Rücklagen haben, obwohl wir nächstes Jahr eigentlich dringend eine weitere, dritte Teilzeitkraft sowie eine komplette Überholung unserer Büroinfrastruktur und Kommunikationstechnik bräuchten.“ Zwei Teilzeitangestellte, eine Honorarkraft und circa 25 Ehrenamtliche würden ihren Arbeitsplatz, Auftraggeber bzw. Ehrenamtsstelle verlieren, sollten die Stadtverordneten nicht noch schnellstmöglich eine Lösung finden können. „Es wäre unglaublich enttäuschend und schade um eine einzigartige Initiative in Potsdam und die bereits gut genutzten, auf Nachhaltigkeit angelegten kommunalen Gelder. All die harte Arbeit der vier Gründerinnen und Ehrenamtlichen in den letzten fast sieben Jahren wäre umsonst gewesen.“

Kultür Potsdam stehe zum wiederholten Male vor sich schließenden Türen. Ein kleiner Lichtblick zum Jahresende zeige sich jedoch in Form des jährlichen Benefizkonzertes „Sinfonische Klänge zur Weihnachtszeit“ der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, das am 14. Dezember um 19 Uhr im Nikolaisaal stattfindet. In diesem Jahr werden die Einnahmen an die pinken „KultürEngel“ gespendet. Die Spenden des Benefizkonzertes werden laut des Vereins zwar nicht annähernd die zukünftigen Kosten decken können, machen aber Hoffnung auf eine positive Wendung.

Das preisgekrönte Jugendsinfonieorchester, das Blechbläser-Quintett sowie die Jazzband „Jazztronauts“ der städtischen Musikschule „Johann Sebastian Bach“ läuten die Zeit der Besinnlichkeit und Nächstenliebe ein. Die Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie über den Nikolaisaal erhältlich.

Das Konzert soll neben der Möglichkeit, dringend benötigte Spenden zu sammeln, auch ein gebührender Abschluss für die herausragende Arbeit der letzten zwei Jahre sein. Zusätzlich zum kompletten Kultür-Team werden auch 20 registrierte Kultürgäste an den Feierlichkeiten teilnehmen. Wie für jede andere Kultür-Veranstaltung auch, werden für das Weihnachtskonzert Karten vom Verkauf zurückgehalten und an Menschen und Familien mit geringem Einkommen kostenfrei vermittelt. Der Abend soll nicht nur für sondern mit den Kulturkartenempfängern stattfinden.

Zu Weihnachten wünsche sich der Verein eine langfristige und angemessene Finanzierung, so dass die engagierten Mitarbeiter und Ehrenamtlichen sich endlich voll und ganz auf die eigentliche Arbeit konzentrieren können: nämlich allen Menschen und Familien in Potsdam das Recht auf Chancengleichheit und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

Im Jahr 2018 hat der Einsatz vereinzelter Fürsprecher in der Stadtverordnetenversammlung geholfen. Der Verein ist voller Hoffnung, dass auch diesmal die Vertreter der Potsdamer Bürgerinnen und Bürger eine kurzfristige, aber nachhaltige Lösung bei den derzeitigen Eckwerteverhandlungen finden werden.

Kultür Potsdam

Kultür Potsdam ermöglicht Menschen mit einem geringen Einkommen den kostenfreien Besuch von Kultur-, Freizeit- und Sportveranstaltungen. Die Initiative wurde im April 2013 gegründet. Mittlerweile umfasst das Team zwei Teilzeitangestellte und mehr als 25 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Tickets werden von über 100 regionalen und bundesweiten Veranstaltern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Hierbei handelt es sich entweder um Restkarten oder um vorab festgelegte Kartenkontingente. Mit Hilfe einer eigens programmierten Datenbank werden die Karten an registrierte Gäste und kooperierende soziale Einrichtungen durch ehrenamtliche Mitarbeitende telefonisch und via Email vermittelt. Insgesamt sind derzeit über 7.600 Menschen entweder direkt oder über eine der 75 vertragsgebundenen sozialen Einrichtungen für das Projekt registriert.  Seit der Gründung wurden knapp 20.000 Eintrittskarten vermittelt. Auf Initiative von Manja Schüle, der kürzlich ernannten Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Land Brandenburg, wurde Kultür Potsdam im November 2018 mit dem Regine-Hildebrandt-Preis ausgezeichnet.

KultürTandem ist eine Erweiterung des regulären Kultür-Angebotes. Alte und neue Potsdamer mit Migrationshintergrund, bedürftige und nichtbedürftige Menschen und Familien treffen sich unverbindlich, um gemeinsam Kultur zu erleben und sich so besser kennenzulernen. Die Veranstaltungskarten werden derzeit in fünf Sprachen durch Ehrenamtliche aus Syrien, Afghanistan, Kamerun und anderen Ländern an die Tandempaare vermittelt. Im August machte das Projekt mit einer Parade auf Tandemfahrrädern durch Potsdam auf sich und seine Arbeit aufmerksam. Beim Potsdamer Integrationspreis erhielt KultürTandem im September 2019 den zweiten Preis.