Siegfried Herzog

Siegfried Herzog bezeichnet sich selbst als Neu-Potsdamer, obwohl er bereits seit 15 Jahren hier lebt. Mehrmals in der Woche kommt der 57-jährige Waldstädter ins Haus der Generationen und Kulturen an den Schlaatz. Dort engagiert er sich für den Freundeskreis der russischsprachigen Kultur, ist bei den Samowar-Gesprächen dabei, macht im Fotoclub mit oder nimmt an Energieberatungen teil. Vor zwei Jahren hat Siegfried Herzog die Unterstützung, Beratung und Hilfe für russischsprachige Migranten zu seinem ehrenamtlichen Betätigungsfeld gemacht. Im Mai 2010 gehörte er zu den ersten, denen der FreiwilligenPass des Landes Brandenburg überreicht wurde.

Verbunden und vertraut mit der russischen Sprache

Die Brücke zur russischen Sprache und Kultur schlug Siegfried Herzog bei seinem Elektronik-Studium in der ehemaligen Sowjetunion, das er von 1971 bis 1976 im ukrainischen Lvov (vormals Lemberg) absolvierte. Über sein gesamtes Berufsleben hinweg blieb er der russichen Sprache verbunden und qualifizierte sich zum Dolmetscher weiter, um seine Tätigkeit als Elektroniker im Schiffbau, mit vielen Kontakten zu den russischsprachigen Auftraggebern, besser ausüben und Dokumentationen und Handbücher übersetzen zu können. Berufliche Neuorientierungen nach der Wende führten Siegfried Herzog schließlich nach Potsdam.

Ein Freundeskreis auf Augenhöhe

Als Siegfried Herzog aus gesundheitlichen Gründen Rentner wurde, schaute er sich nach einer neuen Aufgabe um, in die er sein Wissen einbringen konnte. Beim Freundeskreis der russischsprachigen Kultur im Milanhorst am Schlaatz wurde er fündig und schloss sich an. Der Freundeskreis ist ein Integrationsprojekt für Migranten, das dabei hilft, mit der deutschen Sprache und einem deutschen Lebensumfeld vertrauter zu werden. Dabei geht es nicht wie in einem Sprachkurs um das lernen Vokabeln und Grammatik, sondern um ganz praktische Alltagsfragen, die von den Teilnehmern meist selbst aufgeworfen werden. Ein kompliziertes Formular einer Behörde, ein Brief von der Bank, die Tarifzonen im Nahverkehr oder der geplante Kauf einer Waschmaschine werden so zum Thema, bei dem sich deutsche Begriffe mit dem Verständnis deutscher Gepflogenheiten verbinden.

„Der Freundeskreis ist ein Angebot nicht für, sondern mit den Migranten,“ bekräftigt Siegfried Herzog. „Sie selbst kümmern sich um die Organisation und bestimmen die Inhalte.“ In den letzten zwei Jahren hat sich dieser Ansatz so gut bewährt, dass der Freundeskreis inzwischen aus drei Gruppen besteht, die sich wöchentlich treffen. Hinzu kommen regelmäßige Samoware-Gespräche, wo russische Kultur und Kunst vorgestellt und gelebt wird, und ein Fotoclub mit vielen russischsprachigen Mitgliedern. Und überall ist Siegfried Herzog mit von der Partie und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Als akzeptierter und vertrauter Ansprechpartner auf Augenhöhe ist er auch für ganz persönliche und individuelle Fragen da. Er hilft beim Formulieren von Briefen, begleitet bei Behördengängen, unterstützt, berät, erklärt und vermittelt.

Der erste Potsdamer mit FreiwilligenPass

„Wenn die Leute nach zwei Jahren immer noch gerne kommen, scheint es ja für sie interessant zu sein“, sagt Siegfried Herzog mit Blick auf seine Arbeit für den Freudeskreis. Er hat eine ehrenamtliche Aufgabe gefunden, die ihn fordert und ausfüllt und in gleichem Maße Bestätigung und Anerkennung bringt.

Als am 18. Mai zum ersten Mal der neue FreiwillgenPass des Landes Brandenburg von Ministerpräsident Matthias Platzeck persönlich an 13 Ehrenamtler überreicht wurde, war Siegfried Herzog als erste Potsdamer mit dabei.

Weitere Informationen

(Link) Der Freiwilligenpass des Landes Brandenburg