Die Preisträger 2010

In der festlichen Atmosphäre der Friedenskirche am Park Sanssouci wurden am 2. September 2010 Personen und Projekte für ihr beispielhaftes Engagement mit dem Potsdamer Ehrenamtspreis 2010 geehrt. Die Landeshauptstadt Potsdam, die PRO POTSDAM GmbH und der Soziale Stadt Potsdam e.V. hatten gemeinsam zum bereits vierten Mal zur Bewerbung um den Ehrenamtspreis aufgerufen. In diesem Jahr lagen der Jury 61 Vorschläge und Bewerbungen zur Auswahl vor.

Geehrt wurden insgesamt 16 Personen und Projekte in vier Kategorien, die diesmal thematisch an das Potsdamer Themenjahr „Jahr der Familie“ angelehnt waren. Außerdem wurden zwei Sonderpreise vergeben.

Wir beglückwünschen die Preisträgern und danken allen Nominierten für ihr wichtiges Engagement für Gemeinwesen in unserer Stadt.

Die Preisträger des Potsdamer Ehrenamtspreises 2010

Kategorie: „Arbeiten zur Stärkung der Familien- und Kinderfreundlichkeit in der Stadt Potsdam“
Stadt der Kinder Potsdam
Seit nunmehr fünf Jahren entsteht zu Beginn der Sommerferien im Nuthewäldchen die „Stadt der Kinder“. 150 junge Baumeister im Alter von 6-12 Jahren erbauen zusammen mit ehrenamtlichen Helfern eine kleine Siedlung samt Postamt, Rathaus, Polizei, Bäcker oder was auch immer den Kindern in „ihrer Stadt“ wichtig ist. Nach der einwöchigen Bauphase erwacht die Stadt der Kinder zum Leben und die Kinder übernehmen die Organisation ihrer Stadt. Die Ideen der Kinder für das Zusammenleben in der Stadt, verschiedene Workshops, Spiele und Feste lassen eine Gemeinschaft entstehen, die ein intensives Zusammenleben über Alters- und Bildungsschichten hinweg ermöglicht, einen spielerischen Zugang zum Mitreden und Mitbestimmen aufzeigt und das Selbstwertgefühl von Kindern und Helfern gleichermaßen stärkt. Möglich wird die Stadt der Kinder durch das umfangreiche ehrenamtliche Engagement, das die „Stadt der Kinder“ gleichwohl zu einem generationsübergreifenden Projekt macht. Die ehrenamtlichen Helfer erhalten hier eine Chance, ihre unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten in der Arbeit mit Kindern, sei es im handwerklichen, pädagogischen oder organisatorischen Bereich, zum Ausdruck zu bringen. Öffentliche Förderung und private Spenden ermöglichen den Kindern eine kostenfreie Teilnahme, sodass auch Kinder einkommensschwacher Familien am Projekt uneingeschränkt partizipieren können und somit eine Gemeinschaft fernab sozialer und finanzieller Grenzziehungen möglich wird.

Laudatio von Elona Müller, Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit

Kategorie „Projekte und Tätigkeiten, die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen“
Jugendliche beraten Jugendliche
Wer könnte Probleme Jugendlicher besser verstehen, nachvollziehen und, eine umfangreiche Ausbildung im Rücken, besser Hilfestellung geben als Jugendliche selbst? Das Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“ (JbJ) setzt hinter diese Frage ein Ausrufezeichen. Im Jahr 2009 startete das Projekt erstmals in Brandenburg. Immer samstags zwischen 15 und 19 Uhr sitzen junge Berater im Alter zwischen 16 und 20 Jahren am Kinder- und Jugendtelefon Potsdam und beraten Gleichaltrige. Zu Partnerschaft, Liebe und Sexualität, zu Problemen in Familie, Ausbildung und Beruf, zu Alltagssorgen aber auch zu schwierigen Themen wie Missbrauch, Suizid oder Autoaggression. Eine 70-stündige Ausbildung bereitet die Jugendlichen auf den Telefondienst vor, erfahrene Supervisoren und Berater des Kinder- und Jugendtelefons stehen begleitend zur Seite. 12 Jugendliche arbeiten derzeit ehrenamtlich im JbJ-Projekt Potsdam mit, das sich in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Potsdam e.V. befindet.

Kategorie „Projekte und Tätigkeiten, die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen“
Schülertraining
Menschen aller Altersstufen, die ihr Wissen weitergeben können und wollen, engagieren sich seit 2008 in diesem Projekt als Schülertrainer. Studenten, Berufstätige und Menschen im Altersruhestand helfen Schülern, sich gezielt auf Prüfungen vorzubereiten, Prüfungsängste abzubauen, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen oder Verständnisfragen aufzuklären. Das Schülertraining leistet dort Hilfe, wo schulische Unterstützung durch Eltern nicht gegeben werden kann, begleitet Kinder und Jugendliche aus Heimen oder Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Berufstätige und sozial schwache Familien werden durch das kostenfreie Schülertraining entlastet, wobei Kinder anderer Familien natürlich nicht ausgeschlossen werden. 40 ehrenamtliche Helfer waren bisher als Schülertrainer tätig und haben ca. 900 Stunden Schülertraining geleistet. Seit Frühjahr 2010 wird das Projekt Schülertraining in gemeinsamer Kooperation von SEKIZ e.V. und dem Haus der Generationen und Kulturen betreut.

Laudatio von Christiane Kleemann, Geschäftsführerin der GEWOBA

Kategorie „Generationsübergreifende Projekte und Tätigkeiten“
Christa Dorgerloh, Kerstin Klimoczok, Astrid Zunk
An einem Ort ehrenamtlich tätig zu sein, an dem schwerkranke und sterbende Menschen mit ihrer Krankheit ringen, verlangt nicht nur Courage, Zeit und Mut sondern auch ein großes Maß Menschlichkeit und Empathie. Christa Dorgerloh, Kerstin Klimoczok und Astrid Zunk haben sie. Die drei ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen richten zweimal im Monat auf der Palliativstation im Klinikum Ernst von Bergmann ein Patientencafé aus. Sie decken den Tisch mit Kaffee und Kuchen, stehen als Gesprächspartner für alle großen und kleine Sorgen, Ängste und Nöte, die im Krankheitsverlauf aktuell sind, mit viel Einfühlungsvermögen bereit, Das Patientencafé ist sowohl Anlaufpunkt für die Patienten selbst als auch für deren Angehörige, die im Beisammensein und Gespräch Stärkung und Entlastung erfahren. So ist das Patientencafé seit 2009 im Rahmen des Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Potsdam zu einem wichtigen Bestandteil der Begleitung schwerkranker Menschen und deren Angehöriger geworden.

Kategorie „Generationsübergreifende Projekte und Tätigkeiten“
Bärbel Thiele
Wird ein Familienangehöriger zum Pflegefall, wirkt sich das oft vielschichtig auf das Leben der Angehörigen aus. Alltägliche Routinen funktionieren plötzlich nicht mehr, oft fühlen sich Mitglieder angesichts der neuen Situation schlichtweg überfordert und Einschränkungen im Alltag und Beruf ziehen psychische Belastungen nach sich. Mit dem Potsdamer Engagement für Lebensqualität im Alter (PELA) stehen ausgebildete Pflegebegleiter all denen zur Seite, die einen Angehörigen pflegen und sich von dieser Situation erdrückt sehen. Pflegende Angehörige erfahren so nicht nur Wertschätzung und Anerkennung, sondern auch Unterstützung beim Knüpfen von Kontakten und Netzwerken, die zur Entlastung vom Pflegeaufwand beitragen. Die Potsdamer Pflegebegleiter zählen 25 Freiwillige, die sich entgeltfrei engagieren und zum Teil selbst Erfahrung mit pflegebedürftigen Angehörigen haben. Mit ihrer Arbeit tragen sie einerseits zur Entlastung von Familien mit Pflegefällen bei, andererseits fördern sie Mut, Kraft und Selbstvertrauen, um die Pflege in der Familie zu stärken.

Laudatio von Michael Esser, Mitarbeiter Freiwilligenagentur SEKIZ e.V.

Kategorie „Generationsübergreifende Projekte und Tätigkeiten“
Ehrenamtlerteam zum Lauffest zugunsten der Stiftung Altenhilfe Potsdam
Seit sechs Jahren wird zugunsten der Stiftung Altenhilfe das Lauffest veranstaltet. Durch die vielen ehrenamtlichen Helfer des Potsdamer Laufclubs konnte sich die Veranstaltung über die Jahre erfolgreich entwickeln und ist inzwischen zu einem festem Bestandteil im öffentlichen Leben Potsdams geworden. Stellvertretend für die bis zu 50 ehrenamtlichen Helfer seien folgende Personen genannt. Ulrike Bruns war in den ersten fünf Jahren Schirmherrin des Lauffestes. Die ehemalige Olympionikin hat unermüdlich Sponsoren und Läufer für das Lauffest geworben und nicht zuletzt auch mit ihrem prominenten Namen dazu beigetragen, dass das Lauffest in einer zunehmend breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Mit ebenso viel Engagement unterstützt Rechtsanwältin Heike Lups das Fest – sei es als Sponsorin, Helferin oder aktive Läuferin. Ohne Anke Immel würde das gute Ziel, mit dem Lauffest die Stiftung Altenhilfe zu unterstützen, lediglich ein gut gemeintes sein. Sie ist, neben vielen anderen kleinen und großen Dingen, zuständig für die statistische Rundenabrechnung. Und besonderer Dank gebührt auch Uli Regulin. Der kognitiv behinderte Mensch macht in der Werkstatt für behinderte Menschen das jährlich vom Fundbüro zur Verfügung gestellte Fahrrad wieder flott. Außerdem betreibt er in seinem Umfeld aktiv Werbung für das Fest und ist auch vor Ort als Läufer und Helfer zur Stelle.

Laudatio von Daniel Beermann, Vorsitzender des Vereins Soziale Stadt Potsdam

Kategorie „Langjähriges ehrenamtliches Wirken“
Gesine Kerber
Die Formel ist einfach – ohne Gesine Kerber gäbe es die Telefonseelsorge Potsdam nicht. Durch ihre Erfahrungen bei der Telefonseelsorge Bonn, bei der sie in den Jahren 1984 bis 1992 tätig war, brachte Gesine Kerber unschätzbares Wissen für den Aufbau der Potsdamer Telefonseelsorge ein. Im Mai 1993 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Initiativkreises Telefonseelsorge und hat von den ersten Schritten bis heute die Telefonseelsorge durch ihre Dienste unterstützt. Seit nunmehr 17 Jahren leistet sie Dienst am Telefon, ist bei der Ausbildung neuer Ehrenamtler tätig, war darüber hinaus lange Zeit im Kuratorium aktiv und hat zuletzt an der Erstellung des Potsdamer Qualitätshandbuches für die Telefonseelsorge mitgewirkt. Wie wichtig dieser telefonische Betreuungsdienst des Diakonischen Werkes Potsdam e.V. ist, bezeugen jährlich etwa 20.000 Anrufe, für die die Telefonseelsorge anonym rund um die Uhr da ist.

Kategorie „Langjähriges ehrenamtliches Wirken“
Charity Esther Okezie
Mit unermüdlichem Einsatz bringt sich Charity Esther Okezie seit knapp 20 Jahren ins Potsdamer Leben ein. Durch ihr ehrenamtliches Wirken im Rahmen des Internationalen Center für Deutsche und Immigranten e.V. (ICDI) gibt sie nicht nur den Zuwanderern aus Westafrika eine Stimme, sondern sucht auch immer den Bezug zu Nachbarn und Einheimischen. Baustein um Baustein arbeitet sie an interkulturellen Begegnungen und stärkt friedliches Zusammenleben – ganz gleich, ob es afrikanische Kochtöpfe. Musikworkshops oder Theatergruppen sind, in die sich die gebürtige Nigerianerin einbringt. Ihr langjähriges Wirken, vor allem in den Stadtteilen Stern, Drewitz und Schlaatz, hat entscheidend zum Wachstum friedlicher und bunter multikultureller Begegnungen in Potsdam beigetragen.

Kategorie „Langjähriges ehrenamtliches Wirken“
Dr. Jost Kremmler
Seit vielen Jahren ist Dr. Jost Kremmler ehrenamtlich für den Kreisverband Potsdam des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) tätig. Durch sein langjähriges Engagement für unsere Umwelt trägt er dazu bei, nicht nur Natur zu schützen und bewahren, sondern auch Kinder und Jugendliche für deren Erhalt zu sensibilisieren. So betreut Dr. Jost Kremmler unter anderem seit 2001 zusammen mit Familien und Kindern die Wildnisinseln im Volkspark, veranstaltet Schmetterlingszählungen und hat zusammen mit Schülern und Jugendlichen ein Insektenhotel in Potsdam-West gebaut. Als Mitbegründer der Familienbündnisses Potsdam Nord-West bringt sich Dr. Jost Kremmler aktiv in das Stadtteilgeschehen ein. Durch die Mitarbeit im Familienbündnis, dessen Träger der BUND ist, gelang es ihm, auch andere Menschen für die Naturschutzarbeit zu gewinnen und begeistern.

Kategorie „Langjähriges ehrenamtliches Wirken“
Gustav Materna
Jedes Jahr erleiden fast 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, über 170.000 sterben an den Folgen. Seit Anfang der 90er Jahre versucht Gustav Materna, diese Zahl zu verringern. Gustav Materna ist Sprecher der Selbsthilfegruppe Herzkranker Potsdam, in der er sich vor allem für Erfahrungsaustausche, Gruppenberatungen und Aufklärung zu Behandlungsmethoden einsetzt. Mit unermüdlichem Ehrgeiz betreibt er seit nunmehr knapp 20 Jahren Aufklärungsarbeit, um eine breite Öffentlichkeit zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sensibilisieren. Ohne Gustav Maternas Engagement wäre viele Dinge nicht möglich gewesen. So gestaltet er nicht nur das jährliche Potsdamer Herzseminar mit, sondern hat auch zur Etablierung des „Gehen hält fit“-Weges beigetragen. Das Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen, dass ein gesunder Lebensstil entscheidend zur Verringerung des Herzinfarktrisikos beitragen kann, hat Gustav Materan trotz schwerer eigener Erkrankung in den letzten 20 Jahren beständig, ehrgeizig und ehrenamtlich verfolgt.

Laudatio von Jann Jakobs, Oberbürgermeister der Stadt Potsdam

Sonderpreis „Grenzüberschreitendes Ehrenamt“
Gabriela Schultze
Gabriela Schultze macht Begegnungen möglich. Ihre Brückenschläge nach Polen und Weißrussland sind vielschichtig, zukunftsweisend und grenzenlos. Ihr Wirken ist ein stilles, aber sehr aktives und nachhaltiges. Zum Beispiel in der Betreuung von Ferienkindern aus Weißrussland. Noch immer sind die Folgen der Reaktorhavarie in Tschernobyl 1986 in Weißrussland spürbar. Gabriela Schultze nimmt seit Jahren Ferienkinder aus den kontaminierten Regionen in ihrer Familie auf und ist seit drei Jahren auch im Vorstand des Vereins „Aktion Tschernobyl-Kinder“ tätig. Gemeinsam mit der Kinder-Reha-Klinik in Beelitz organisierte für jeweils gemischt deutsch-weißrussische Kindergruppen im Jahr 2008 das Projekt „Plätze für Kinder“ und im Jahr 2010 das Gesundheits- und Umwelterziehungsprojekt „Grenzenlos gesund essen“. Darüber hinaus hat Gabriela Schultze in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung ERINNERUNG, VERANTWORTUNG, ZUKUNFT (EVZ) eine Vortrags- und Begegnungsreise für polnische und weißrussische Zwangsarbeiterfamilien organisiert und betreut. Mit ihrem ehrenamtlichen Wirken stellt die alleinerziehende Mutter dreier Töchter generations- und grenzübergreifend Fragen der gesellschaftlichen und menschlichen Verantwortung in den Mittelpunkt und ermöglicht gleichzeitig die Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft untereinander.

Sonderpreis „Beitrag zur Stärkung der Nachbarschaften und zur Stadtentwicklung“
Diana Richter-Guth, Dr. Iris Schiek, Thomas Gaede
Seit 12 Jahren leistet der Förderverein „Freundeskreis der Grundschule Am Priesterweg“ eine engagierte Arbeit in der Förderung gemeinschaftlicher Werte im schulischen Umfeld. Der stete Einsatz für eine gesunde Entwicklung der Kinder in der Grundschulzeit, eine Verbesserung von Bildungschancen, Lernbedingungen und Lernumfeld und eine Vernetzung von Akteuren im Stadtteil hat zu einem weitreichenden Leistungskatalog der Grundschule geführt. So stellt der Freundeskreis nicht nur die jährliche Einschulungsfeier sicher, sondern ermöglicht auch die schulische Präsenz bei Stadt und Nachbarschaftsfesten, die Durchführung von Projektarbeiten und hilft bei der Ausfinanzierung verschiedenster Arbeitsgemeinschaften. So unterstützt der Förderverein u.a. die Chorarbeit, hilft bei der Tanzgruppenbekleidung und betreut seit 15 Jahren die Rassekaninchenzucht. Für das Leben im Stadtteil stellt die Grundschule Am Priesterweg ein Zentrum aktiver, attraktiver und gemeinschaftlich orientierter Bildung dar, dessen gemeinschaftliche Werte über schulische Grenzen hinaus in das Stadtteilleben getragen werden.

Laudatio von Friedrich Reinsch, Leiter Haus der Generationen und Kulturen

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